Published in China News by Adrian Stromski on 23.04.2020

COVID-19: Wirtschaftliche Maßnahmen in China

Wegen der Virusepidemie war das öffentliche Leben in China seit Ende Januar fast zwei Monate lang komplett lahmgelegt. Geschäfte, Schulen und die meisten staatlichen Einrichtungen mussten schließen. Chinas Ausgangssperren galten landesweit und wurden sehr viel härter durchgesetzt als die Pandemiemaßnahmen, die die Deutschen in diesen Tagen erleben. Millionen Arbeiter konnten aufgrund von Reisebeschränkungen oder Quarantänevorschriften nicht in ihre Arbeitsstätten zurückkehren. Die Produktion, der Warenverkehr, die Lieferketten – all das kam in China zum Erliegen.

Um die wirtschaftlichen Folgen abzumildern hat die chinesische Zentralbank, die People's Bank of China (PBOC), mehrere politische Maßnahmen zur geldpolitischen Stimulierung umgesetzt:

  • Am 3. Februar 2020 weitete die PBOC die Reverse-Repo-Geschäfte um 174 Milliarden Dollar aus. Dies bedeutet, dass die Zentralbank die Höhe der Kredite ausweitete, um die Geldmärkte (Märkte für sehr kurzfristige Kredite) stabil zu halten und den Banken mehr Bargeld zur Verfügung zu stellen.
  • Am 4. Februar fügte sie weitere 71 Milliarden Dollar hinzu.
  • Am 16. Februar senkte die PBOC auch den Zinssatz für die einjährige mittelfristige Kreditfazilität (den Zinssatz, zu dem sie den Banken Kredite gewährt) um 0,10%. Im Anschluss daran senkte sie ihre Leitzinsen für einjährige und fünfjährige Kredite (der Zinssatz, zu dem die Banken den kreditwürdigsten Unternehmen Kredite gewähren) um 0,10% bzw. 0,05%.
  • Am 13. März senkte die PBOC die Anforderungen an die Bankreserven, wodurch etwa 79 Milliarden Dollar für die Kreditvergabe frei wurden.
  • Am 3. April senkte die PBOC den Mindestreservesatz für kleine und mittlere Banken. Sie senkte auch den Zinssatz, den sie auf überschüssige Reserven zahlt.
  • Seit Mitte März geben viele Kommunalverwaltungen in China vorausbezahlte Ausgabegutscheine aus, um den Konsum anzukurbeln, aber die Beträge sind relativ gering.

China hat noch keine massiven fiskalischen Stimuli umgesetzt, wie 2008 während der globalen Finanzkrise oder erneut im Jahr 2015, um das sich verlangsamende Wachstum zu bekämpfen. Die chinesische Regierung hat jedoch die Banken aufgefordert, die Bedingungen für Geschäftskredite zu verbessern und gewerbliche Vermieter aufgefordert, die Mieten zu senken.

  • Am 1. April gab China an, dass es eine neue Runde von Stimulierungsmaßnahmen vorbereitet und eine neue Runde von Anleihen zu deren Finanzierung herausgibt. Einzelheiten über das Konjunkturpaket sind bisher aber noch nicht bekannt.

Regionale und lokale Regierungen haben auch Subventionen für bestimmte Autokäufe erhöht und die Obergrenze für die Anzahl der Autos, die in jeder Ortschaft gekauft werden können, angehoben.
Nach Angaben des IWF belief sich die Gesamtfinanzierung zur Bekämpfung des Virus bis zum 2. April auf 183 Milliarden Dollar, einschließlich:

  • Erhöhung der Ausgaben für die Epidemieprävention
  • Herstellung von medizinischen Geräten
  • Anhebung der Arbeitslosenunterstützung
  • Steuererleichterungen bei der Sozialversicherung

In diesem Jahr ist die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent geschrumpft. Angesichts dieses Einbruchs rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) für das laufende Jahr nur noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent.