Veröffentlicht in ASEAN News am 16.11.2020

ASEAN-Reihe: Singapur

Als der Bundesstaat Singapur im Jahr 1965 aus der Malaysische Föderation ausgeschlossen wurde, war die ehemalige englische Kronkolonie mit großen Problemen wie Massenarbeitslosigkeit, Knappheit an Wohnraum, Ackerland und Rohstoffen konfrontiert. Hauptsächlich ist es dem niederländischen Ökonomen Albert Winsemius zu verdanken, der in Zusammenarbeit mit der Staatsregierung, Singapurs steilen ökonomischen Aufstieg bewirkte.

Heute ist Singapur einer der wichtigsten Finanzplätze und Warenumschlagplätze Asiens, sowie weiterhin Mitglied des Commonwealth of Nations und des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Als ein Land mit einer ausgesprochen liberalen Wirtschaftspolitik, hervorragenden Infrastruktur und niedrigen Steuern, zieht es viele ausländische Investitionen und qualifizierte Arbeitskräfte an, die die innovative und dynamische Wirtschaft weiter antreiben.

Infrastruktur

Singapur liegt geographisch an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel. Im Westen des Staatsgebiets liegt die Straße von Malakka, eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt, über 25% des weltweiten Güterumschlags durch Seeschifffahrt passiert diese Meerenge. Für den Handel zwischen Europa und Asien ist sie von enormer Bedeutung.

Schon die Briten haben die günstige Lage Singapurs erkannt und 1819 einen Handelsposten errichtet, heute 200 Jahre später ist die Relevanz des Hafens weiter gestiegen. So werden im Hafen ein Fünftel des weltweiten Containerhandels umgeschlagen, sowie die Hälfte des weltweiten Rohölhandels, es bestehen Logistikverbindungen zu 600 anderen Häfen in 125 Ländern. Gemessen am Containervolumen in Tonnen ist der Hafen von Singapur der 2. größte der Welt.

Auch der singapurische Flughafen Changi zählt zu den wichtigsten logistischen Knotenpunkten in Asien, mehrere Jahre in Folge wurde er von der Ratingagentur Skytrax zum besten Flughafen der Welt gewählt und fliegt regelmäßig 400 verschiedene Destinationen an.

Zur Infrastruktur ist weiterhin zu sagen, dass Singapur es geschafft hat ohne viel Land und Ressourcen zu besitzen, eine zuverlässige Wasser- und Stromversorgung aufzubauen. So ist das Leitungswasser als eines der wenigen in Asien trinkbar, die Kosten elektrischen Stroms liegen mit 13 Cent/kwh deutlich niedriger als in Deutschland.

Als regionales Finanzzentrum bietet das Land ein dichtes Netz an Banken, die alle Dienstleistungen abdecken und im Gegensatz zu denen in Deutschland und der EU weniger staatlich reguliert sind.

Firmengründung

Eine Firma zu gründen ist ähnlich einfach wie in Hongkong; um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Limited) zu gründen benötigt man einen ansässigen Direktor, ein/e „Company Secretary“ und 1 bis 50 Gesellschafter. Das Stammkapital muss mindestens 1 SGD betragen, die Gründung dauert in der Regel 2 bis 4 Wochen.

Die bevorzugte Sprache in der Wirtschaft, Verwaltung und Schule ist Englisch. Weit verbreitet und von der Regierung gefördert ist ebenfalls das Hochchinesisch (Mandarin). Neben diesen vorherrschenden Sprachen werden von Minderheiten ebenfalls viele andere gesprochen. Dies liegt daran, dass in Singapur geschichtlich bedingt, Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen leben. Verhaltensweisen und Einstellungen jedes Singapurs werden grundlegend von seiner Herkunft beeinflusst, dies kann zwar im Geschäftsverkehr zu Missverständnissen führen, jedoch spielt die gesellschaftliche Harmonie und Diversität eine entscheidende Rolle für den Erfolg Singapurs.

Im Allgemeinen ist eine Einreise von Deutschen ohne Visum möglich, eine 90 tägige Aufenthaltsgenehmigung wird am Flughafen erteilt, diese Genehmigung kann bei jeder Aus- und wieder Einreise erneuert werden. Ausländische Investoren und Arbeitnehmer die mindestens 6 Monate in Singapur gearbeitet haben, sowie Studenten können sich um eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung bewerben (Permanent Resident). Die singapurische Staatsbürgerschaft bekommen Ausländer i.d.R., wenn sie 2 Jahre in Singapur gelebt haben, ein festes Einkommen beziehen und sich entsprechend bewerben. Alle anderen Staatsbürgerschaften müssen in diesem Fall jedoch abgegeben werden.

Kriminalität ist in Singapur im Gegensatz zu einigen anderen asiatischen Ländern kein Problem, es gehört zu den sichersten Ländern der Welt und steht auf internationalen Ranking zu Prävention von Korruption regelmäßig auf Platz 1. Dieser solide Zustand der öffentlichen Ordnung und der Rechtsprechung hat jedoch auch seinen Preis; die Regierung wird von vielen Organisationen als autoritär beschrieben. Medien und Meinungsfreiheit werden durch die Regierung zensiert und eingeschränkt, einige Bürgerrechte werden nur teilweise zugestanden. Die mächtige „People's Action Party” regiert seit der Staatsgründung 1965 so gut wie allein. Auf Drogenbesitz, Vandalismus und Verschmutzung der Öffentlichkeit mit Müll stehen empfindliche Strafen.

Währung und Steuern

Die nationale Währung der Singapur Dollar (SGD) ist seit langem eine stabile Währung, die sich zum Beispiel im Verhältnis zum USD stetig aufwertet. Im Gegensatz zum chinesischen Renminbi ist der SGD frei Handel- und konvertierbar.

Neben seiner Rolle als Finanzplatz und Transithafen sticht das Land auch durch seinen niedrigen Steuern hervor.

Die Körperschaftsteuer liegt bei 17%, größere Steueranreize wie vor einigen Jahrzenten gibt es nicht mehr, nur noch Gewinne unter 300.000 SGD p.a. werden -unter bestimmten Voraussetzungen- mit 8,5% versteuert.
Generell gilt ein territorialer Besteuerungsgrundsatz; Unternehmen und Einzelpersonen werden hauptsächlich auf in Singapur erwirtschaftetes Einkommen besteuert. Ausländische Einkünfte (Gewinne von Zweigniederlassungen, Dividenden, Dienstleistungseinkünfte, usw.) werden, wenn sie schon im Herkunftsland mit mindestens 15% berechnet wurden, nicht versteuert.

Obwohl das Konzept der Territorialsteuer auf den ersten Blick einfach erscheint, kann seine Anwendung in der Praxis oft komplex und umstritten sein. Keine universelle Regel kann für jedes Szenario gelten. Ob Gewinne in Singapur entstehen oder aus Singapur stammen, hängt von der Art der Gewinne und der Transaktionen ab, die zu diesen Gewinnen führen.

Die Steuersätze auf das persönliche Einkommen lauten wie folgt:
Die Umsatzsteuer (MwSt.) liegt seit 1994 bei 7%. Die Quellsteuer auf Zinsen, Lizenzgebühren, Mieten, Vorstandshonorare, die an Nichtansässige (Einzelpersonen oder Unternehmen) gezahlt werden, unterliegen in Singapur einem Steuersatz von 10%.

Die Kapitalertrags-, Schenkungs-, Vermögens- und Erbschaftssteuer liegt jeweils bei 0.
Ein Unterschied zu Hongkong stellt die Regelung da, nach der alle Arbeitnehmer sozialversichert sein müssen. Je nach Alter und Aufenthaltsdauer in Singapur muss der Arbeitnehmer 5 bis 20% des Bruttogehalts an den staatlichen Vorsorgefond (CPF) abtreten, der Arbeitgeber 7-17%. In erster Linie wird so für die Altersvorsorge eingezahlt, jedoch ist man so auch automatisch krankenversichert.

Somit ist die Steuerlast zwar etwas höher als in Hongkong, der Staat stellt dafür jedoch umfassende Leistungen in modernen Krankenhäusern und Sozialleistungen für ärmere Familien bereite. Bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel, wird die Familie eines Bürgers oder Permanent Residentes mit bis zu 166.000 SGD unterstützt.

Doppelbesteuerungs- und Freihandelsabkommen

Seit Anfang 2007 besteht ein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Singapur. Durch dieses wird vor allen Dingen ermöglicht, die doppelte Erhebung von Einkommenssteuer, Körperschaftsteuer, Vermögensteuer und Gewerbesteuer zu verhindern.

Des Weiteren ist 2019 zwischen der EU und Singapur das „EU-Singapore Free Trade Agreement“ (EUSFTA) in Kraft getreten. Seitdem werden seitens Singapurs keinerlei Zölle mehr für die Einfuhr von Gütern aus der EU erhoben, die Europäer im Gegenzug behandeln 80% aller singapurischen Waren wie Elektronik, Petrochemie und Arznei als zollfrei. Darüber hinaus werden technischen Vorschriften, Normen und Konformitätsverfahren an internationalen Standards angelehnt, um den Warenfluss zu vereinfachen und die mehrfache Verifizierung der Normen zu vermeiden. Mit diesem Freihandelsabkommen geht auch der verbesserte Schutz der Rechte des geistigen Eigentums sowie der Marktzugang bei öffentlichen Ausschreibungen und für Dienstleistungen einher.

Neben diesem Abkommen ist Singapur auch Teil des kürzlich unterzeichneten Freihandelsabkommen „RCEP“. Es soll in den nächsten Jahrzehnten so gut wie alle Zölle zwischen den unterzeichnenden 15 Ländern: Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam, China, Japan, Südkorea, Australien abbauen. Schon jetzt erwirtschaften die beteiligten Länder mit 30% Weltpopulation rund 28% des weltweiten BIP, die Tendenz der wirtschaftlichen Leistung ist stark steigend. Es ist davon auszugehen, dass dieser Wirtschaftsblock mittelfristig den größten Binnenmarkt der Welt darstellen wird.

Zusammenfasend kann man sagen, dass Singapur ein hoch entwickeltes Land ist welches vor allen Dingen durch seinen Hafen, die Banken und die Öl- und Elektronikindustrie zu Reichtum gelangt ist.
Gestützt durch die Abkommen mit der ASEAN (+6) Region, anderen Ländern wie Deutschland, niedrigen Steuern und Investitionen von Ausländern bleibt das Land auch in der Zukunft ein wichtiger Standort der asiatischen Wirtschaft.

Im Vergleich zu den umliegenden Ländern besticht Singapur mit niedrigere Sprachbarrieren, qualifiziertere Arbeitskräften, eine effizientere Verwaltung und einer bessere Logistische Anbindung.
Wenngleich sich das Land durch die hohen Lohnkosten nicht für den Aufbau einer Arbeitsintensiven Produktion eignet, so bietet es sich umso mehr an den Hauptsitz für Aktivitäten in der ASEAN Region hier zu gründen. Schon viele Firmen haben die Vorteile Singapurs genutzt, um die Produktion und/ oder den Absatz von Produkten in Asien zu koordinieren.