The Bhumibol Bridge in Thailand by night, also known as the Industrial Ring Road Bridge.

Veröffentlicht in ASEAN News von Adrian Stromski am 12.11.2019

ASEAN News: Sonderwirtschaftszonen in den ASEAN-Staaten

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich derzeit in den verschiedensten Bereichen auf der ganzen Welt. Handelshemmnisse (z.B. zwischen den USA und China), zunehmend volatile Rohstoffpreise, Nullzinsen und ein niedriges Wachstum in den Industrieländern bereiten vor allem den Entwicklungsländern in Asien Schwierigkeiten. Sie müssen sich angesichts der äußeren Faktoren mit den Gegebenheiten auseinandersetzen und Möglichkeiten zur Lösung finden. Die Suche nach neuen Instrumenten zur Entwicklungsförderung gestaltet sich jedoch schwierig.

Während sich der größte Anteil der Wirtschaftsentwicklungen in Asien weiterhin auf den Aufbau und die Instandhaltung der Infrastruktur, die Bereitstellung besserer öffentlicher Dienstleistungen und die Schaffung eines positiven Geschäftsumfelds konzentriert, sind viele Länder, einschließlich regionaler Schwergewichte wie Indien, zum Konzept der Sonderwirtschaftszonen (SEZs) als Kernelement ihrer Entwicklungsstrategien zurückgekehrt.

Vor allem die ASEAN-Mitgliedstaaten fördern SEZs, um ihre Entwicklung zu einem einflussreichen Wirtschaftsraum in der Region voranzutreiben und erwarten, dass dadurch mehr ausländische Investitionen generiert werden.
Die Schaffung einer Sonderwirtschaftszone erfolgt meist aufgrund der folgenden Ziele:

  • Zunahme ausländischer Direktinvestitionen (FDIs)
  • Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Auslöser für umfassende Reformen
  • Umgebung als Testfeld für neue Politik und wirtschaftliche Entwicklung

Sonderwirtschaftszonen werden definiert als Gebiet, das von der Regierung ausgewählt wird, um den in ihrem Hoheitsgebiet niedergelassenen Unternehmen nichtmonetäre und/oder monetäre Vorteile zu bieten, mit dem Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt, der Region oder des gesamten Landes zu fördern.
Es gibt fünf Arten von Wirtschaftszonen:

  • Industriepark (IP),
  • Sonderwirtschaftszone (SEZ),
  • Öko-Industriepark (EIP),
  • Technologiepark (TP),
  • Innovation District (ID).

Die ASEAN-Staaten haben in den letzten Jahren ein unterschiedliches Niveau der Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Daraufhin wurde durch die Mitglieder die Strategie entwickelt, verschiedene Sonderwirtschaftszonen in den jeweiligen Ländern einzurichten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit individuell zu stärken. Vietnam hat sich weitgehend auf Industrieparks festgelegt, um ausländische Investitionen anzuziehen. Singapur hat das Projekt „One-North“ entwickelt, den ersten Innovationsdistrikt in der ASEAN-Region. Schätzungen gehen von mehr als 1.000 Wirtschaftszonen in den ASEAN-Staaten aus (893 Industrieparks, 84 Sonderwirtschaftszonen, 2 Öko-Industrieparks, 25 Technologieparks und 1 Innovationsbezirk).

Die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen SEZ braucht Zeit. Selbst die erfolgreichen SEZs in China und Malaysia, begannen langsam zu wachsen und benötigten mindestens 5 bis 10 Jahre, bis sie zu den Erfolgsmodellen wurden, die heute existieren.

SEZs haben zu dem raschen Wirtschaftswachstum und der massiven Kumulation von FDIs in Südostasien und Ostasien beigetragen. Besonders profitiert haben China, Singapur, Malaysia, die Philippinen und Taiwan. Für viele ASEAN-Länder und Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen liegen die größten Wachstumschancen mittlerweile in den Dienstleistungssektoren, insbesondere in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Unternehmensdienstleistungen und Tätigkeiten, die besonders spezialisiertes Wissen voraussetzen. Dies erfordert einen starken Fokus auf die Förderung von Innovationen. Die Entwicklung von Technologieparks und Innovationsvierteln im Zusammenhang mit der Finanzierung von wissenschaftlichen Einrichtungen bietet dafür die Grundlage.
Das Konzept der Wirtschaftszonen wird für absehbare Zeit als strategisches Instrument bestehen bleiben, das die Regierungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums einsetzen.

Der Paradigmenwechsel von der reinen Massenproduktion zur Wissensintensität und dem unerbittlichen Globalisierungsprozess impliziert jedoch, dass die Regierungen sorgfältig darüber nachdenken müssen, welche Art von Wirtschaftszone errichtet werden sollen, um die definierten Ziele zu erreichen.